Die Gleitzone im Niedriglohnbereich von 450,01 bis 850 Euro

Aktuelles

Der für die Berechnung des Faktor F notwendige durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung für 2017 ist noch nicht festgelegt. Mitte Oktober wird sich der gemeinsame Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt mit der Aktualisierung der Finanzprognose des Jahres 2016 beschäftigen und erstmalig eine Prognose der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung 2017 erstellen. Nach Auswertung dieser Ergebnisse wird das Bundesministerium für Gesundheit bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für das Jahr 2017 festlegen.


Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 08.12.2015 den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz und den Faktor F bekannt gemacht. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz beträgt 39,75% für das Jahr 2016. Der Faktor F beträgt 0,7547 für das Jahr 2016.
Für die Berechnung des Faktor F ist bei der Krankenversicherung ab 2015 der um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz erhöhte allgemeine Beitragssatz anzusetzen. Diesen legt das Bundesministerium für Gesundheit nach Auswertung der Ergebnisse des Schätzerkreises für das Folgejahr fest. Der Wert in Prozent ist jeweils bis zum 1. November eines Kalenderjahres im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Für 2016 beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz 1,1 Prozent (Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 30.10.2015).
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2016
Gleitzonenrechner 2015 und 2016

Grundsätzliches

Mit der Einführung der 400-€-Jobs (Minijobs) am 01.04.2003 wurde auch die Gleitzonenregelung eingeführt.
Die Gleitzone geht bis zum 31.12.2012 von 400,01 € bis 800,00 € (§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung bis 31.12.2012).
Ab 01.01.2013 geht die Gleitzone von 450,01 € bis 850,00 €.
§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung ab 01.01.2013:

Eine Gleitzone im Sinne dieses Gesetzbuches liegt bei einem Beschäftigungsverhältnis mit einem daraus erzielten Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 850,00 Euro im Monat vor, das die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend.

Entwicklung der Berechnungen in der Gleitzone ab 2003

Bei einer Beschäftigung innerhalb der Grenzen der Gleitzone, besteht für den ausübenden Arbeitnehmer in allen Zweigen der Sozialversicherung grundsätzlich Versicherungspflicht nach den allgemeinen Vorschriften. Die in den einzelnen Sozialversicherungszweigen geltenden versicherungsrechtlichen Regelungen finden uneingeschränkt Anwendung.

Die in diesem Entgeltbereich Beschäftigten (Midijobs) bleiben damit versicherungspflichtig, der Arbeitnehmer zahlt allerdings einen reduzierten Beitragsanteil in der Sozialversicherung.
Die Gleitzonenregelung ist nicht auf Auszubildende anzuwenden. Durch ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 15.07.2009 wurde noch einmal bestätigt, dass die 400-Euro-Grenze (ab 2013 die 450-Euro-Grenze) und die Gleitzonenregelung für Auszubildende nicht gelten. Bei Auszubildenden ist aber die Geringverdienergrenze zu beachten.

Die Gleitzonenregelung wurde eingeführt um bei einer nur geringfügigen Überschreitung der 400-Euro-Grenze nicht weniger netto zu bekommen als in einem 400-Euro-Job. Vor dieser Regelung war es so, dass auch bei einer nur geringfügigen Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenzen volle Sozialversicherungs- und Steuerpflicht anfiel. Es musste in dem dann sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis erheblich mehr verdient werden, um mehr Geld netto zu bekommen, wie in dem geringfügigen Arbeitsverhältnis.

Bei der Prüfung der Frage, ob das Arbeitsentgelt in den Grenzen der Gleitzone liegt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen.
Auszug aus dem Rundschreiben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone vom 9. Dezember 2014:

Ob die für die Gleitzone maßgebenden Entgeltgrenzen regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten werden, ist bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung in den Verhältnissen (z. B. Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu beurteilen. Die hiernach erforderliche Prognose erfordert keine alle Eventualitäten berücksichtigende genaue Vorher-sage, sondern lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt - ggf. nach der bisherigen Übung - mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Im Prognosezeitpunkt muss davon auszugehen sein, dass sich das Arbeitsentgelt bei normalem Ablauf der Dinge nicht relevant verändert. ....
Stimmt diese Prognose mit dem späteren Verlauf infolge nicht sicher voraussehbarer Umstände nicht überein, bleibt die für die Vergangenheit getroffene Feststellung maßgebend. Allerdings kann die nicht zutreffende Prognose Anlass für eine neue Prüfung und - wiederum vorausschauende - Betrachtung sein. Als Zeitraum, auf den die vorausschauende Betrachtung bei Beschäftigten zu erstrecken ist, wird der Zeit-raum eines Jahres (nicht Kalenderjahr) angesehen. Steht bereits zu Beginn der Beschäftigung fest, dass diese nicht mindestens ein Jahr andauern wird, ist ein entsprechend kürzerer Prognosezeitraum anzusetzen.

Einmalige Einnahmen, deren Gewährung mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich zu erwarten ist, sind bei der Ermittlung des Arbeitsentgelts zu berücksichtigen.

Haben Arbeitnehmer ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone, wird für die Berechnung der Beiträge nicht das tatsächliche Arbeitsentgelt genommen, sondern ein fiktives Arbeitsentgelt mittels einer Formel berechnet.

Berechnung von April 2003 bis Dezember 2012 Berechnung ab Januar 2013

F * 400 + (2 - F) * (Arbeitsentgelt - 400)

F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)

F ist ein Faktor der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales jedes Jahr im Bundesanzeiger bekanntgegeben wird. Er ergibt sich aus der Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung geteilt durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz.

Der Ablauf der Berechnung ist im § 163 Abs. 10 SGB VI festgelegt.
Für die Berechnung des Faktor F ist bei der Krankenversicherung ab 2015 der um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz erhöhte allgemeine Beitragssatz anzusetzen.

Berechnung 2015 2016 2017 (Geplante Werte)
Renten­versicherung 18,70% 18,70% 18,70%
Arbeitslosen­versicherung 3,00% 3,00% 3,00%
Pflege­versicherung 2,35% 2,35% 2,55%
Kranken­versicherung 15,50%
(14,60% + 0,9%)
15,70%
(14,60% + 1,1%)
??,??%
(14,60% + ?,?%)
Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz (Summe) 39,55% 39,75% ??,??%
Faktor F
(30% geteilt durch den Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz;
gerundet auf vier Dezimalstellen)
0,7585
(30%/ 39,55%)
0,7547
(30%/ 39,75%)
0,????
(30%/ ??,??%)
  Sozialversicherungsbeiträge 2015 Sozialversicherungsbeiträge 2016 Sozialversicherungsbeiträge 2017

Die gesetzlichen Krankenkassen erheben im Wettbewerb ab 2015 den Zusatzbeitrag als Prozentsatz der beitragspflichtigen Einnahmen ihrer Mitglieder.

Die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung haben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone ein gemeinsames Rundschreiben herausgegeben.

Der Arbeitnehmer hat im Falle der Arbeitslosigkeit einen vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld, obwohl er nur aus einem verminderten Arbeitsentgelt Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt hat.

In der Rentenversicherung richtet sich die Höhe der Rente nach dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt. Das bedeutet, dass bei einer späteren Rentenberechnung wegen der Gleitzonenregelung auch nur das reduzierte Arbeitsentgelt zu Grunde gelegt werden kann. Der Arbeitnehmer kann in der Rentenversicherung aber auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts verzichten und den vollen Arbeitnehmeranteil zahlen. Damit wird für die Zeiten innerhalb der Gleitzone auch die volle Rentenanwartschaft erworben. Die Erläuterung an einem Beispiel erfolgt weiter unten.

In der gesetzlichen Unfallversicherung sind alle abhängig Beschäftigten unabhängig von der Höhe ihres Arbeitsentgelts kraft Gesetzes versichert. Nachzuweisen gegenüber der Berufsgenossenschaft ist das tatsächlich erzielte Bruttoarbeitsentgelt und nicht das reduzierte (fiktive) Arbeitsentgelt.

Entwicklung der Berechnung des Faktor F ab 2013

Der Faktor F wird immer durch folgende Division ermittelt:
Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung (400-Euro-Jobs bzw. 450-Euro-Jobs) / durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz

Bis zum 30.06.2006 lagen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 25% (12% Rentenversicherung, 11% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Ab 01.07.2006 betragen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs aber 30% (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Die Höhe der Pauschalabgaben hat sich mit den 450-Euro-Jobs ab 01.01.2013 nicht geändert (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).

Zeitraum Faktor F Grundsatz zur Berechnung
2013 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2014 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2015 0,7585 F = 30% / 39,55% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2016 0,7547 F = 30% / 39,75% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)

Für die Berechnung des Faktors werden die Beitragssätze herangezogen, die zu Beginn des Jahres gelten (§ 163 Abs. 10 SGB VI). Beitragssatzänderungen im Laufe des Jahres haben keinen Einfluss auf den Faktor F.

Statistik zur Gleitzone (Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Midi-Job seit 2003)

Berechnung des Faktor F ab 2003

Auswirkung des Faktor F auf die Bestimmung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme

Zeitraum Faktor F Fiktive beitragspflichtige Einnahme bei einem Arbeitsentgelt von 600 €
2013 0,7605 532,64 €
2014 0,7605 532,64 €
2015 0,7585 532,08 €
2016 0,7547 531,01 €

Schritte zur Beitragsberechnung in der Gleitzone:

§ 163 Abs. 10 SGB VI und § 2 Abs. 2 Beitragsverfahrensverordnung (BVV)

  1. Bestimmung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme nach der gültigen Formel:
     
    Ab Januar 2013: F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)
     
  2. Von dieser fiktiven Einnahme berechnet man nun die Gesamtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung unter Anwendung des jeweils halben Beitragssatzes, rundet und verdoppelt anschließend diesen Betrag.
    Hierzu wird bei kinderlosen Arbeitnehmern der Zuschlag zur Pflegeversicherung von 0,25% gezählt.
    • Regelung bis 2014:
      Für die Berechnung der Beiträge zur Krankenversicherung ist bis 2014 wegen der Besonderheiten der Beitragsverteilung eine modifizierte Form anzuwenden. Danach wird der für den Arbeitnehmer insgesamt zu zahlende Krankenversicherungsbeitrag durch Addition der getrennt berechneten gerundeten Anteile des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers auf die beitragspflichtige Einnahme ermittelt.
    • Regelung ab 2015:
      Ab 2015 kann es einen krankenkassenindividuellen Zusatzbeitrag geben. Die Berechnung des möglichen Zusatzbeitrages der Krankenkasse ist gesondert vorzunehmen. Der vom Arbeitnehmer allein zu tragende Beitragsanteil ist dabei durch Anwendung des Zusatzbeitragssatzes auf die fiktive Einnahme zu berechnen und dem Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzuzurechnen.
  3. Dann bestimmt man die AG-Beitragsanteile und zwar vom realen Arbeitsentgelt und unter Anwendung des halben Beitragssatzes.
    Besonderheit in der Pflegeversicherung in Sachsen (AG-Anteil ist niedriger als AN-Anteil).
  4. Von den Gesamt-Beiträgen (die unter Punkt 2 ermittelt wurden) zieht man die AG-Beitragsanteile (die unter Punkt 3 ermittelt wurden) ab und ermittelt so die AN-Beitragsanteile.

§ 2 Abs. 2 BVV (Verordnung über die Berechnung, Zahlung, Weiterleitung, Abrechnung und Prüfung des Gesamtsozialversicherungsbeitrages):

In den Fällen der Gleitzone wird der vom Arbeitgeber zu zahlende Beitrag durch Anwendung des halben Beitragssatzes auf die beitragspflichtige Einnahme und anschließender Verdoppelung des gerundeten Ergebnisses berechnet. Der vom Arbeitgeber zu tragende Beitragsanteil wird durch Anwendung des halben sich aus der Summe des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung, der gesetzlichen Pflegeversicherung, zur Arbeitsförderung und des halben um den vom Arbeitnehmer allein zu tragenden Beitragsanteil reduzierten Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung ergebenden Beitragssatzes auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt berechnet und gerundet. Der Abzug des Arbeitgeberanteils von dem nach Satz 1 errechneten Beitrag ergibt den Beitragsanteil des Beschäftigten. Bei Entgelten bis zu 450 Euro ergibt sich die beitragspflichtige Einnahme durch Anwendung des Faktors F (§ 163 Abs. 10 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch) auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt. Vom Beschäftigten allein zu tragende Beitragsanteile werden durch Anwendung des maßgebenden Beitragssatzes oder Beitragszuschlags auf die beitragspflichtige Einnahme berechnet und gerundet.

Gleitzonenrechner für die Jahre 2010 bis 2012
Gleitzonenrechner 2013 und 2014
Gleitzonenrechner 2015 und 2016

EXCEL-Aufgaben zur Gleitzone.


Hier finden Sie Beispiele, um die Rechenschritte nachvollziehbar zu machen:

Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2010
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2011
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2012
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2013
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2014
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2015
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2016

Schwankende Bezüge

Auszug aus dem Rundschreiben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone vom 9. Dezember 2014:

Bei unvorhersehbar schwankender Höhe des Arbeitsentgelts und in den Fällen, in denen im Rahmen eines Dauerarbeitsverhältnisses saisonbedingt vorhersehbar unterschiedliche Arbeitsentgelte erzielt werden, ist der regelmäßige Betrag durch Schätzung bzw. durch eine Durchschnittsberechnung zu ermitteln. Dabei ist bei einem seit einem Jahr oder länger beschäftigten Arbeitnehmer von dem im Vorjahr erzielten Arbeitsentgelt auszugehen; bei neu eingestellten Arbeitnehmern kann von der Vergütung eines vergleichbaren Arbeitnehmers ausgegangen werden.

Viele AN erhalten nicht in jedem Monat ein gleichbleibendes Gehalt. Trotz Schwankungen (mehr oder weniger Stunden im Monat oder Zahlung von Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld) kann der Verdienst im gesamten Jahr innerhalb der Gleitzone liegen. Entscheidend ist der Durchschnitt. Für die Berechnung der SV-Beiträge sind dann drei Fälle möglich:

  1. Entgelt liegt innerhalb der Gleitzone
    Die Berechnung erfolgt nach den oben beschriebenen Schritten.
  2. Entgelt liegt unterhalb der Gleitzone (z. B. 350 €)
    In solchen Fällen errechnet sich die beitragspflichtige Einnahme durch Multiplikation des Faktors F mit dem erzielten Arbeitsentgelt.
    Bei einem Entgelt von 350 € ergeben sich
    Im Jahr 2013 und 2014: 0,7605 * 350 = 266,18
    Im Jahr 2015: 0,7585 * 350 = 265,48
    Im Jahr 2016: 0,7547 * 350 = 264,15
    Die weitere Berechnung erfolgt nach den oben beschriebenen Schritten zwei bis vier.
  3. Entgelt liegt oberhalb der Gleitzone (z. B. 870 €)
    Die Beitragsberechnung erfolgt nach den allgemeinen Regelungen zur Beitragsberechnung in der Sozialversicherung.

Abrechnung eines Arbeitnehmers in der Gleitzone - Lohnbelege

Mehrfachbeschäftigung

Wenn mehrere Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, sind zur Prüfung der Anwendung der Gleitzonenregelung nur die Arbeitsentgelte zusammenzurechnen, die aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen erzielt werden.

Wenn mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt werden, deren Arbeitsentgelte jedoch in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, sind die für die Berechnung der Arbeitnehmerbeitragsanteile zugrunde zu legenden reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen für die einzelnen Beschäftigungen nicht nach der allgemeinen Gleitzonenformel zu ermitteln. Die reduzierte beitragspflichtige Einnahme wird in diesen Fällen auf der Grundlage des Gesamtarbeitsentgelts ermittelt und im Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte zum Gesamtarbeitsentgelt aufgeteilt.

Seit dem 01.01.2012 hatten Arbeitgeber bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung gegenüber der zuständigen Krankenkasse eine GKV-Monatsmeldung abzugeben. Ab 2015 entfällt diese Meldung der Arbeitgeber und die Rückmeldung der Krankenkasse über die Höhe des Gesamtarbeitsentgelts.
Die Einzugsstelle prüft ab 2015 bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung auf Grundlage der eingegangenen Entgeltmeldungen, ob die in dem sich überschneidenden Meldezeitraum erzielten Arbeitsentgelte insgesamt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung überschreiten. Wenn das der Fall ist, fordert die Einzugsstelle die beteiligten Arbeitgeber auf, für den zu beurteilenden Zeitraum GKV-Monatsmeldungen abzugeben.

Ausführliche Informationen zur Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigten in der Gleitzone

Gleitzone und Teilarbeitsentgelt

Erzielt ein Arbeitnehmer, der in der Gleitzone liegt, nur ein Teilarbeitsentgelt gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Trotz des Teilarbeitsentgelts werden volle 30 SV-Tage angesetzt. Das trifft für Zeiten des unbezahlten Urlaubs, für Streiks oder für Arbeitsbummelei zu. Es kommt keine Kürzung der SV-Tage infrage. Das erzielte Teilarbeitsentgelt wird dem monatlichen Arbeitsentgelt gleichgesetzt. Die Berechnung erfolgt nach den obigen Rechenschritten. Bei einem Entgelt unterhalb der Gleitzone errechnet sich die beitragspflichtige Einnahme durch Multiplikation des Faktors F mit dem erzielten Arbeitsentgelt.
  • Die SV-Tage werden entsprechend der Beschäftigungszeit angesetzt (siehe Teillohnzahlungszeiträume). Die häufigsten Fälle werden der Beginn oder die Beendigung des Arbeitsverhältnisses im Laufe eines Monats sein.
    Ermittlung der anteiligen beitragspflichtigen Einnahme an einem Beispiel:
    Die Beschäftigung wird am 19.03.2015 aufgenommen und es werden nur 260 € Arbeitsentgelt erzielt. Vom 19.03. bis 31.03.2015 sind es 13 SV-Tage. Mit dem Teilarbeitsentgelt wird das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt ermittelt:
    260 € / 13 Tage * 30 Tage = 600 € (jeder Monat wird mit 30 Tagen angesetzt)
    Mit dem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt wird wie oben beschrieben, die fiktive beitragspflichtige Einnahme ermittelt. Damit werden aus 600,00 € Arbeitsentgelt 532,08 € (im Jahr 2015) fiktive beitragspflichtige Einnahme pro Monat errechnet.
    Aus dieser wird die anteilige beitragspflichtige Einnahme errechnet.
    532,08 € / 30 Tage x 13 SV-Tage = 230,57 €

Die Berechnungen können sie auch mit dem Gleitzonenrechner 2015 und 2016 vornehmen.

Meldungen, Beitragsgruppenschlüssel und Personengruppenschlüssel bei Beschäftigung in der Gleitzone

Aus der Gleitzone selbst ergeben sich keine Besonderheiten für den Beitragsgruppenschlüssel bzw. den Personengruppenschlüssel. Bei einem Arbeitsverhältnis ohne besondere Merkmale ist der Personengruppenschlüssel 101 und der Beitragsgruppenschlüssel 1111 (Arbeitnehmer der voll versicherungspflichtig ist).

Meldungen von Beschäftigten in der Gleitzone sind besonders zu kennzeichnen. Zugelassen sind die nachfolgenden Kennzeichen:

Kennzeichen Bedeutung
0 keine Gleitzone beziehungsweise Verzicht auf die Anwendung der Gleitzonenregelung in der gesetzlichen Rentenversicherung
1 Gleitzone; tatsächliche Arbeitsentgelte in allen Entgeltabrechnungszeiträumen von 450,01 EUR bis 850,00 EUR monatlich
2 Gleitzone; Meldung umfasst sowohl Entgeltabrechnungszeiträume mit Arbeitsentgelten von 450,01 EUR bis 850,00 EUR monatlich als auch solche mit tatsächlichen Arbeitsentgelten unter 450,01 EUR oder über 850,00 EUR monatlich.

Bei Angabe der Kennziffern 1 oder 2 ist in die Meldungen als beitragspflichtiges Bruttoarbeitsentgelt die reduzierte beitragspflichtige Einnahme einzutragen.


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