Vermögenswirksame Leistungen (VWL) und Altersvorsorgewirksame Leistungen (AVWL)

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Vermögenswirksame Leistungen (VWL)

Die Vermögensbildung der Arbeitnehmer fördert der Staat bei bestimmten Sparverträgen durch die Gewähr der sogenannten Arbeitnehmersparzulage. Die gesetzliche Grundlage bildet das Fünfte Vermögensbildungsgesetz.

Der Arbeitgeber kann entweder vermögenswirksame Leistungen zusätzlich zum Arbeitsentgelt gewähren oder der Arbeitnehmer kann vom Arbeitgeber verlangen, dass Teile seines Arbeitsentgelts vermögenswirksam angelegt werden.

Die Vermögenswirksame Leistung (VWL oder VL) wird direkt vom Arbeitgeber auf das vom Arbeitnehmer benannte Anlagekonto überwiesen.

Die Arbeitnehmersparzulage wird bei Bausparverträgen und Aufwendungen des Arbeitnehmers zum Wohnungsbaunur nur dann gewährt, wenn die Einkommensgrenzen (17.900 € für Alleinstehende und 35.800 € für Verheiratete) nicht überschritten werden.

Für die Arbeitnehmersparzulage auf Vermögensbeteiligungen gelten ab 2009 separate Einkommensgrenzen (20.000 € für Alleinstehende und 40.000 € für Verheiratete). Beide Grenzen gelten auch im Jahr 2016.

Für besser verdienende Arbeitnehmer spielt das Thema trotzdem dann eine Rolle, wenn der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zusätzlich zum Arbeitsentgelt gewährt. Diese Arbeitgeberleistungen (in der Regel in einem Tarifvertrag festgelegt) erhalten aber nur die Arbeitnehmer die einen entsprechenden Vertrag im Sinne des fünften Vermögensbildungsgesetzes abgeschlossen haben. In so einem Fall stellt sich die Frage nach Gewährung der Arbeitnehmersparzulage durch das Finanzamt erst in zweiter Linie.

Zahlt der Arbeitgeber keine vermögenswirksamen Leistungen zusätzlich zum Arbeitsentgelt ist die Frage nach der Gewährung der Arbeitnehmersparzulage durch das Finanzamt erstrangig. Will in so einem Fall der Arbeitnehmer in den Genuss der vollen Arbeitnehmersparzulage durch das Finanzamt kommen, muss er den Vertrag aus seinem Arbeitsentgelt allein bedienen.

Die zusätzlich zum Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährten vermögenswirksamen Leistungen sind steuer- und beitragspflichtig. Die Überweisung auf das entsprechende Anlagekonto ist ein Nettoabzug (der Abzug erfolgt aus dem schon versteuerten und mit Beiträgen belegten Arbeitsentgelt).

Die Arbeitnehmersparzulage wird mit der jährlichen Einkommenssteuererklärung beantragt. Die Arbeitnehmersparzulage gilt nach § 13 Abs. 3 Fünftes Vermögensbildungsgesetz weder als steuerpflichtige Einnahme im Sinne des Einkommensteuergesetzes noch als Einkommen, Verdienst oder Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung und des SGB III. Sie ist damit arbeitsrechtlich kein Bestandteil des Lohns oder Gehalts.

Zur Klärung von lohnsteuerlichen Zweifelsfragen besteht die Möglichkeit zur Einholung einer Auskunft beim Finanzamt.
§ 15 Abs. 4 Fünftes Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer:

Das Finanzamt, das für die Besteuerung der in Absatz 3 Genannten zuständig ist, hat auf deren Anfrage Auskunft darüber zu erteilen, wie im einzelnen Fall die Vorschriften über vermögenswirksame Leistungen anzuwenden sind, die nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 5, Abs. 2 bis 4 angelegt werden.

Anlagearten und Sparzulagensätze für 2016 (keine Veränderung seit 2009)

Anlageart Sparzulagensatz begünstigter Höchstbetrag maximale Sparzulage Einkommensgrenze für die Gewährung der Arbeitnehmer-Sparzulage
Vermögensbeteiligungen 20% 400,00 € 80,00 € 20.000 € bzw. 40.000 €
Bausparvertrag und Aufwendungen des Arbeitnehmers zum Wohnungsbau 9% 470,00 € 42,30 € 17.900 € bzw. 35.800 €
Geldsparvertrag 0% - - -
Lebensversicherungsvertrag nach dem 31.12.1988 abgeschlossen 0% - - -
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Die Förderungen Bausparvertrag und Aufwendungen des Arbeitnehmers zum Wohnungsbau sowie für Vermögensbeteiligungen, können nebeneinander bis zu den Höchstbeträgen in Anspruch genommen werden.

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Informationen zur Baufinanzierung

Die Nullförderungs-Verträge machen für die Arbeitnehmer einen Sinn, die einen Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen von ihrem Arbeitgeber haben, aber wegen der Höhe ihres Einkommens keine Arbeitnehmersparzulage erhalten.

Damit beträgt die max. mögliche Arbeitnehmer-Sparzulage 122,30 € (aufgerundet 123 €) pro Jahr.

Vermögensbeteiligungen

Für Vermögensbeteiligungen gibt es einen steuer- und sozialversicherungsfreien Höchstbetrag bei der Gewährung durch den Arbeitgeber. Dieser betrug bis 31.03.2009 135 € und ab 01.04.2009 360 € pro Jahr.

Regelung des § 19a EStG Regelung des § 3 Nr. 39 EStG
2009 aufgehoben
Es gab aber eine Übergangsregelung:
§ 19a in der am 31. Dezember 2008 geltenden Fassung ist weiter anzuwenden, wenn
  1. die Vermögensbeteiligung vor dem 1. April 2009 überlassen wird oder
  2. auf Grund einer am 31. März 2009 bestehenden Vereinbarung ein Anspruch auf die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung einer Vermögensbeteiligung besteht sowie die Vermögensbeteiligung vor dem 1. Januar 2016 überlassen wird
und der Arbeitgeber bei demselben Arbeitnehmer im Kalenderjahr nicht § 3 Nummer 39 anzuwenden hat.
Die Übergangsregelung ist damit zum 31.12.2015 abgelaufen.
Geltung ab 2009
Der Vorteil ist steuerfrei, soweit er nicht höher als der halbe Wert der Vermögensbeteiligung ist und insgesamt 135 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt. Der Vorteil ist steuerfrei, soweit der Vorteil insgesamt 360 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt. Wegfall der Begrenzung auf die Hälfte der Vermögensbeteiligung.
Keine besonderen Voraussetzungen. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Beteiligung mindestens allen Arbeitnehmern offensteht, die im Zeitpunkt der Bekanntgabe des Angebots ein Jahr oder länger ununterbrochen in einem gegenwärtigen Dienstverhältnis zum Unternehmen stehen.

Wenn die Vermögensbeteiligung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird, ist sie auch beitragsfrei.
Die Steuerfreiheit gilt auch dann, wenn die Vermögensbeteiligung durch eine Gehaltsumwandlung dem Arbeitnehmer überlassen wird. In der Sozialversicherung wird eine Gehaltsumwandlung zugunsten der Überlassung einer Vermögensbeteiligung nur anerkannt, wenn der Arbeitnehmer unter Änderung seines Arbeitsvertrags auf einen Teil seines Barlohns verzichtet, der Verzicht arbeitsrechtlich zulässig ist und auf künftig fällig werdende Entgeltbestandteile gerichtet ist.
Informationen zum verbilligten Erwerb von Aktien vom Arbeitgeber

Unter Bezugnahme auf das Ergebnis der Erörterungen mit den obersten Finanzbehörden der Länder und mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nimmt das Bundesministerium der Finanzen in BMF-Schreiben zur Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes Stellung. Die BMF-Schreiben finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums der Finanzen (BMF).

Hier finden Sie ein Abrechnungsbeispiel für einen pflichtversicherten Arbeitnehmer mit VWL-Vertrag

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Abrechnung der vermögenswirksamen Leistungen mit einem Lohnprogramm

Es werden zwei Lohnarten benötigt. Die zusätzlich zum Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährten vermögenswirksamen Leistungen sind steuer- und beitragspflichtig. Die Überweisung auf das entsprechende Anlagekonto ist ein Nettoabzug (der Abzug erfolgt aus dem schon versteuerten und mit Beiträgen belegten Arbeitsentgelt).

Erfassung mit der Online Lohn-Software ilohngehalt:

Hauptmenü Seite Gehalt & Monatslohn Seite VWL
Hauptmenü ilohngehalt Seite Gehalt & Monatslohn

Hier erfolgt die Erfassung des VWL AG-Zuschuss.

Seite VWL

Hier erfolgt die Erfassung der Vertragsdaten. Der Betrag stellt die Überweisung auf das entsprechende Anlagekonto dar.

Altersvorsorgewirksame Leistungen (AVWL)

In einigen Branchen haben die Arbeitnehmer Anspruch auf Altersvorsorgewirksame Leistungen (AVWL) des Arbeitgebers. Die Altersvorsorgewirksame Leistung (AVWL) ist eine Weiterentwicklung der Vermögenswirksamen Leistungen. Die AVWL ist eine Geldleistung des Arbeitgebers zum Aufbau einer zusätzlichen privaten oder betrieblichen Altersversorgung für den Arbeitnehmer.

Am 01.10.2006 ist der Tarifvertrag Metall über altersvorsorgewirksame Leistungen (TV AVWL) in Kraft getreten. Die neue Vereinbarung der Tarifparteien löst den Metalltarifvertrag über vermögenswirksame Leistungen ab.

Präambel des Tarifvertrag über altersvorsorgewirksame Leistungen (TV AVWL) vom 22. April 2006:

Vor dem Hintergrund der Problematik der umlagefinanzierten gesetzlichen Renteversicherung halten die Tarifvertragsparteien eine ergänzende private Altersvorsorge für notwendig. Um diese zu fördern, werden die bisherigen vermögenswirksamen Leistungen durch eine altersvorsorgewirksame Leistung ersetzt. In diesem Zusammenhang empfehlen die Tarifvertragsparteien die privaten Altersvorsorgeprodukte des von ihnen gemeinsam getragenen Versorgungswerks MetallRente.

Die altersvorsorgewirksame Leistung beträgt nach dem TV AVWL für die Metall- und Elektroindustrie kalenderjährlich für jeden Beschäftigten 319,08 €. Für jeden Auszubildenden sind es 159,48 €. Teilzeitbeschäftigte haben Anspruch auf eine anteilige Leistung, die sich nach dem Verhältnis ihrer vertraglichen Arbeitszeit zur tariflichen Arbeitszeit bemisst.

Der Beschäftigte kann zwischen folgenden Arten der altersvorsorgewirksamen Anlage wählen:

  • Einzahlung in einen gem. § 10 a, § 82 ff. EStG abgeschlossenen förderfähigen privaten Altersvorsorgevertrag des Beschäftigten,
  • Umwandlung des Anspruchs gemäß Tarifvertrag Entgeltumwandlung in eine arbeitnehmerfinanzierte Altersversorgungszusage des Arbeitgebers, oder
  • Annahme des Angebots einer arbeitgeberfinanzierten Altersversorgungszusage des Arbeitgebers in entsprechender Höhe, wenn dies durch eine freiwillige Betriebsvereinbarung ermöglicht wird.

Es existieren aber Übergangsregelungen für bestehende vL-Verträge. In bestimmten Ausnahmefällen erbringt der Arbeitgeber weiterhin vermögenswirksame Leistungen nach Maßgabe des insoweit fortwirkenden Tarifvertrages über Vermögenswirksame Leistungen vom 3. Mai 2000.

Nach dem Tarifvertrag Metall über altersvorsorgewirksame Leistungen wurden weitere Tarifverträge zur Altersversorgung abgeschlossen. Für die Beschäftigten in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Baden-Württemberg gibt es ab 2009 das 25-fache der Ecklohngruppe pro Kalenderjahr als Altersvorsorgegrundbetrag.

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