Die Gleitzone von 450,01 bis 850 Euro - Ab 2019 Sozialversicherungsrechtlicher Einstiegsbereich von 450,01 bis 1.300 Euro

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Aktuelles

Bei seiner Sitzung am 11.10.2018 kam der GKV-Schätzerkreis zu einer einvernehmlichen Prognose der Höhe der Einnahmen, Ausgaben sowie der Zahl der Versicherten und Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung für die Jahre 2018 und 2019. Rechnerisch ergibt sich aus den Schätzergebnissen für das Jahr 2019 eine Verringerung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte auf 0,9 Prozent. Das Bundesministerium für Gesundheit legt nach Auswertung der Ergebnisse des Schätzerkreises den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für das Jahr 2019 fest und gibt ihn bis zum 1. November 2018 im Bundesanzeiger bekannt (Quelle: Pressemitteilung des Bundesversicherungsamt vom 11. Oktober 2018).


Es gibt derzeit zwei Gesetzentwürfe zur Ausweitung der Gleitzone.

Ausweitung der Gleitzone auf 1.300 Euro vorgesehen (wahrscheinlich kommende Regelung) Entgeltgrenzen sollen an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt werden
Gesetzentwurf der Bundesregierung
Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung (RVLeistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz)
Gesetzesantrag des Landes Nordrhein-Westfalen
Entwurf eines Gesetzes zur Dynamisierung der Einkommensgrenze für Minijobs und für Verbesserungen für Arbeitnehmer in der Gleitzone

Der Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung stand auf der Tagesordnung der 971. Sitzung des Bundesrates am 19.10.2018. Es gab eine Stellungnahme des Bundesrates. Die Stellungnahme der Länder wird nun über die Bundesregierung in den Bundestag eingebracht. Das Gesetzgebungsverfahren geht damit weiter.
Die Neuausrichtung der Gleitzone zeigt sich auch in einer veränderten Begrifflichkeit. Im Gesetzentwurf wird von einem sozialversicherungsrechtlichen Einstiegsbereich gesprochen. Dieser soll von 450,01 bis 1.300,00 Euro gehen. Es wird sichergestellt, dass die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge nicht mehr zu geringeren Rentenleistungen führen.
Midijobber erwerben mit der derzeitigen Regelung geringere Rentenleistungen, wenn die Rentenversicherungsbeiträge nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme gezahlt werden. Zur Vermeidung dieser Nachteile können Arbeitnehmer in der Rentenversicherung auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts verzichten.
Durch die Einfügung des neuen Absatzes 1a in § 70 SGB VI wird sichergestellt, dass die geringeren Rentenversicherungsbeiträge im Einstiegsbereich ab 1. Januar 2019 aus der verminderten Beitragsbemessungsgrundlage nicht zu geringeren Rentenansprüchen führen.

Daher ist die bisher gegebene Möglichkeit, zur Vermeidung rentenrechtlicher Nachteile auf die Anwendung der beitragsrechtlichen Regelung des § 163 Absatz 10 zu verzichten, nicht mehr notwendig.
Die begünstigenden beitragsrechtlichen Regelungen in der ab dem 1. Januar 2019 gültigen Fassung finden deshalb auch für Versicherte Anwendung, die bisher auf die Anwendung der Gleitzone in der gesetzlichen Rentenversicherung verzichtet haben. Die erteilten Verzichtserklärungen verlieren damit für Zeiten ab dem 1. Januar 2019 ihre Wirkung.

Die Berechnung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme würde ab Januar 2019 nach folgender Formel erfolgen:
F * 450 + ([1300/(1300-450)] - [450/(1300-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)

Der Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung stand auf der Tagesordnung der 971. Sitzung des Bundesrates am 19.10.2018. Es erfolgte eine Ausschusszuweisung.
Der Gesetzentwurf sieht die Abschaffung der starren Entgeltgrenzen vor. Stattdessen sollen die Entgeltgrenzen an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt werden.
Die Angabe "450 Euro" soll durch die Wörter "das 53fache des gesetzlichen Mindestlohns gemäß § 1 des Gesetzes zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns" ersetzt werden.
Die Angabe "850 Euro" soll durch die Wörter "das 148fache des gesetzlichen Mindestlohns gemäß § 1 des Gesetzes zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns" ersetzt werden.

Bei der Ermittlung von Entgeltpunkten in der gesetzlichen Rentenversicherung soll für die Beschäftigten in der Gleitzone zukünftig das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt werden.

Die Berechnung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme würde ab Januar 2019 nach folgender Formel erfolgen:
F * (53 * Mindestlohn) + ([(148 * Mindestlohn)/((148 * Mindestlohn)-(53 * Mindestlohn))] - [(53 * Mindestlohn)/((148 * Mindestlohn)-(53 * Mindestlohn))] * F) * (Arbeitsentgelt - (53 * Mindestlohn))

Die neue Regelung führt generell zu einer Entlastung der Arbeitnehmer über den gesamten Bereich von 450,01 bis 1.300 Euro (Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2019).
Gleitzonenrechner ab 2019


Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Beitragsentlastung der Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz) gebilligt.
Mit dem Versichertenentlastungsgesetz werden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung wieder zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Versicherten getragen. Dieser Schritt war im Koalitionsvertrag von Union und SPD vorgesehen. Ab dem 1. Januar 2019 werden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten bzw. bei Rentnern von Rentenversicherung und Rentnern getragen. Der bisherige Zusatzbeitrag wird damit paritätisch finanziert.
Mit der Änderung des § 249 Abs. 3 SGB V wird die paritätische Tragung des Zusatzbeitragssatzes gleichermaßen auch bei Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone nach § 20 Absatz 2 SGB IV umgesetzt.


Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt zum 1. Januar 2018 von 18,7 auf 18,6 Prozent.
Die Verordnung zur Bestimmung der Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung für das Jahr 2018 stand auf der Tagesordnung der 963. Sitzung des Bundesrates am 15.12.2017. Der Bundesrat hat zugestimmt.
Damit beträgt der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz 39,75% und der Faktor F zur Beitragsberechnung in der Gleitzone 0,7547.
Gleitzonenrechner 2015 bis 2018
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2018


Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung wird für das Jahr 2018 auf 1,0 Prozent abgesenkt. Das gibt das Bundesministerium für Gesundheit am 26. Oktober 2017 mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger bekannt.

Grundsätzliches

Mit der Einführung der 400-€-Jobs (Minijobs) am 01.04.2003 wurde auch die Gleitzonenregelung eingeführt.
Die Gleitzone geht bis zum 31.12.2012 von 400,01 € bis 800,00 € (§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung bis 31.12.2012).
Ab 01.01.2013 geht die Gleitzone von 450,01 € bis 850,00 €.
§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung ab 01.01.2013:

Eine Gleitzone im Sinne dieses Gesetzbuches liegt bei einem Beschäftigungsverhältnis mit einem daraus erzielten Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 850,00 Euro im Monat vor, das die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend.

Entwicklung der Berechnungen in der Gleitzone ab 2003

Bei einer Beschäftigung innerhalb der Grenzen der Gleitzone, besteht für den ausübenden Arbeitnehmer in allen Zweigen der Sozialversicherung grundsätzlich Versicherungspflicht nach den allgemeinen Vorschriften. Die in den einzelnen Sozialversicherungszweigen geltenden versicherungsrechtlichen Regelungen finden uneingeschränkt Anwendung.

Die in diesem Entgeltbereich Beschäftigten (Midijobs) bleiben damit versicherungspflichtig, der Arbeitnehmer zahlt allerdings einen reduzierten Beitragsanteil in der Sozialversicherung.
Die Gleitzonenregelung ist nicht auf Auszubildende anzuwenden. Durch ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 15.07.2009 wurde noch einmal bestätigt, dass die 400-Euro-Grenze (ab 2013 die 450-Euro-Grenze) und die Gleitzonenregelung für Auszubildende nicht gelten. Bei Auszubildenden ist aber die Geringverdienergrenze zu beachten.

Die Gleitzonenregelung wurde eingeführt um bei einer nur geringfügigen Überschreitung der 400-Euro-Grenze nicht weniger netto zu bekommen als in einem 400-Euro-Job. Vor dieser Regelung war es so, dass auch bei einer nur geringfügigen Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenzen volle Sozialversicherungs- und Steuerpflicht anfiel. Es musste in dem dann sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis erheblich mehr verdient werden, um mehr Geld netto zu bekommen, wie in dem geringfügigen Arbeitsverhältnis.

Bei der Prüfung der Frage, ob das Arbeitsentgelt in den Grenzen der Gleitzone liegt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen.
Auszug aus dem Rundschreiben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone vom 9. Dezember 2014:

Ob die für die Gleitzone maßgebenden Entgeltgrenzen regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten werden, ist bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung in den Verhältnissen (z. B. Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu beurteilen. Die hiernach erforderliche Prognose erfordert keine alle Eventualitäten berücksichtigende genaue Vorher-sage, sondern lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt - ggf. nach der bisherigen Übung - mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Im Prognosezeitpunkt muss davon auszugehen sein, dass sich das Arbeitsentgelt bei normalem Ablauf der Dinge nicht relevant verändert. ....
Stimmt diese Prognose mit dem späteren Verlauf infolge nicht sicher voraussehbarer Umstände nicht überein, bleibt die für die Vergangenheit getroffene Feststellung maßgebend. Allerdings kann die nicht zutreffende Prognose Anlass für eine neue Prüfung und - wiederum vorausschauende - Betrachtung sein. Als Zeitraum, auf den die vorausschauende Betrachtung bei Beschäftigten zu erstrecken ist, wird der Zeit-raum eines Jahres (nicht Kalenderjahr) angesehen. Steht bereits zu Beginn der Beschäftigung fest, dass diese nicht mindestens ein Jahr andauern wird, ist ein entsprechend kürzerer Prognosezeitraum anzusetzen.
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Einmalige Einnahmen, deren Gewährung mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich zu erwarten ist, sind bei der Ermittlung des Arbeitsentgelts zu berücksichtigen.

Haben Arbeitnehmer ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone, wird für die Berechnung der Beiträge nicht das tatsächliche Arbeitsentgelt genommen, sondern ein fiktives Arbeitsentgelt mittels einer Formel berechnet.

Berechnung von April 2003 bis Dezember 2012 Berechnung ab Januar 2013 Berechnung ab Januar 2019 (geplant)

F * 400 + (2 - F) * (Arbeitsentgelt - 400)

F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)

F * 450 + ([1300/(1300-450)] - [450/(1300-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)

F ist ein Faktor der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales jedes Jahr im Bundesanzeiger bekanntgegeben wird. Er ergibt sich aus der Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung geteilt durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz.

Der Ablauf der Berechnung ist im § 163 Abs. 10 SGB VI festgelegt.
Für die Berechnung des Faktor F ist bei der Krankenversicherung ab 2015 der um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz erhöhte allgemeine Beitragssatz anzusetzen.
Bei der Beitragsberechnung in der Gleitzone wird dann mit dem krankenkassenindividuellen Zusatzbeitrag des Arbeitnehmer gerechnet.

Berechnung 2015 2016 2017 2018 2019 (geplant)
Renten­versicherung 18,70% 18,70% 18,70% 18,60% 18,60%
Arbeitslosen­versicherung 3,00% 3,00% 3,00% 3,00% 2,50%
Pflege­versicherung 2,35% 2,35% 2,55% 2,55% 3,05%
Kranken­versicherung 15,50%
(14,60% + 0,9%)
15,70%
(14,60% + 1,1%)
15,70%
(14,60% + 1,1%)
15,60%
(14,60% + 1,0%)
15,50%
(14,60% + 0,9%)
Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz (Summe) 39,55% 39,75% 39,95% 39,75% 39,65%
Faktor F
(30% geteilt durch den Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz;
gerundet auf vier Dezimalstellen)
0,7585
(30%/ 39,55%)
0,7547
(30%/ 39,75%)
0,7509
(30%/ 39,95%)
0,7547
(30%/ 39,75%)
0,7566
(30%/ 39,65%)
  Sozialversicherungsbeiträge 2015 Sozialversicherungsbeiträge 2016 Sozialversicherungsbeiträge 2017 Sozialversicherungsbeiträge 2018 Sozialversicherungsbeiträge 2019

Die gesetzlichen Krankenkassen erheben im Wettbewerb ab 2015 den Zusatzbeitrag als Prozentsatz der beitragspflichtigen Einnahmen ihrer Mitglieder.

Die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung haben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone ein gemeinsames Rundschreiben herausgegeben.

Der Arbeitnehmer hat im Falle der Arbeitslosigkeit einen vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld, obwohl er nur aus einem verminderten Arbeitsentgelt Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt hat.

In der Rentenversicherung richtet sich die Höhe der Rente nach dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt. Das bedeutet, dass bei einer späteren Rentenberechnung wegen der Gleitzonenregelung auch nur das reduzierte Arbeitsentgelt zu Grunde gelegt werden kann. Der Arbeitnehmer kann in der Rentenversicherung aber auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts verzichten und den vollen Arbeitnehmeranteil zahlen. Damit wird für die Zeiten innerhalb der Gleitzone auch die volle Rentenanwartschaft erworben.
Durch die Einfügung des neuen Absatzes 1a in § 70 SGB VI wird sichergestellt, dass die geringeren Rentenversicherungsbeiträge im Einstiegsbereich ab 1. Januar 2019 aus der verminderten Beitragsbemessungsgrundlage nicht zu geringeren Rentenansprüchen führen.

In der gesetzlichen Unfallversicherung sind alle abhängig Beschäftigten unabhängig von der Höhe ihres Arbeitsentgelts kraft Gesetzes versichert. Nachzuweisen gegenüber der Berufsgenossenschaft ist das tatsächlich erzielte Bruttoarbeitsentgelt und nicht das reduzierte (fiktive) Arbeitsentgelt.

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Entwicklung der Berechnung des Faktor F ab 2013

Der Faktor F wird immer durch folgende Division ermittelt:
Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung (400-Euro-Jobs bzw. 450-Euro-Jobs) / durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz

Bis zum 30.06.2006 lagen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 25% (12% Rentenversicherung, 11% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Ab 01.07.2006 betragen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs aber 30% (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Die Höhe der Pauschalabgaben hat sich mit den 450-Euro-Jobs ab 01.01.2013 nicht geändert (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).

Zeitraum Faktor F Grundsatz zur Berechnung
2013 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2014 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2015 0,7585 F = 30% / 39,55% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2016 0,7547 F = 30% / 39,75% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2017 0,7509 F = 30% / 39,95% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2018 0,7547 F = 30% / 39,75% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2019 (geplant) 0,7566 F = 30% / 39,65% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)

Für die Berechnung des Faktors werden die Beitragssätze herangezogen, die zu Beginn des Jahres gelten (§ 163 Abs. 10 SGB VI). Beitragssatzänderungen im Laufe des Jahres haben keinen Einfluss auf den Faktor F.

Statistik zur Gleitzone (Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Midi-Job seit 2003)

Berechnung des Faktor F ab 2003

Auswirkung des Faktor F auf die Bestimmung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme

Zeitraum Faktor F Fiktive beitragspflichtige Einnahme bei einem Arbeitsentgelt von 600 €
2013 0,7605 532,64 €
2014 0,7605 532,64 €
2015 0,7585 532,08 €
2016 0,7547 531,01 €
2017 0,7509 529,94 €
2018 0,7547 531,01 €

Ab Januar 2019 ist die Ausweitung der Gleitzone auf 1.300 € geplant. Damit muss die fiktive beitragspflichtige Einnahme nach einer neuen Formel berechnet werden. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist damit nur bedingt möglich.

Schritte zur Beitragsberechnung in der Gleitzone:

§ 163 Abs. 10 SGB VI und § 2 Abs. 2 Beitragsverfahrensverordnung (BVV)

  1. Bestimmung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme nach der gültigen Formel:
     
    Ab Januar 2013: F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)
     
  2. Von dieser fiktiven Einnahme berechnet man nun die Gesamtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung unter Anwendung des jeweils halben Beitragssatzes, rundet und verdoppelt anschließend diesen Betrag.
    Hierzu wird bei kinderlosen Arbeitnehmern der Zuschlag zur Pflegeversicherung von 0,25% gezählt.
    Besonderheit in der Krankenversicherung:
    • Regelung bis 2014:
      Für die Berechnung der Beiträge zur Krankenversicherung ist bis 2014 wegen der Besonderheiten der Beitragsverteilung eine modifizierte Form anzuwenden. Danach wird der für den Arbeitnehmer insgesamt zu zahlende Krankenversicherungsbeitrag durch Addition der getrennt berechneten gerundeten Anteile des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers auf die beitragspflichtige Einnahme ermittelt.
    • Regelung von 2015 bis 2018:
      Ab 2015 kann es einen krankenkassenindividuellen Zusatzbeitrag geben. Die Berechnung des möglichen Zusatzbeitrages der Krankenkasse ist gesondert vorzunehmen. Der vom Arbeitnehmer allein zu tragende Beitragsanteil ist dabei durch Anwendung des Zusatzbeitragssatzes auf die fiktive Einnahme zu berechnen und dem Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzuzurechnen.
    • Regelung ab 2019 (geplant):
      Ab dem 1. Januar 2019 werden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten getragen. Der bisherige Zusatzbeitrag wird damit paritätisch finanziert. Beitragssatz plus individueller Zusatzbeitragssatz ergeben den Gesamtbeitrag zur Krankenversicherung. Anwendung des halben Gesamtbeitragssatz. Rundung des Ergebis. Dieser Betrag wird verdoppelt.
  3. Dann bestimmt man die AG-Beitragsanteile und zwar vom realen Arbeitsentgelt und unter Anwendung des halben Beitragssatzes.
    Besonderheit in der Krankenversicherung: Bis 2018 beträgt der Arbeitgeberanteil nur den halben Beitragssatz ohne Zusatzbeitragssatz. Ab 2019 wird zum Arbeitgeberanteil auch der halbe Zusatzbeitragssatz gerechnet.
    Besonderheit in der Pflegeversicherung in Sachsen: Arbeitgeberanteil ist niedriger als Arbeitnehmeranteil
  4. Von den Gesamt-Beiträgen (die unter Punkt 2 ermittelt wurden) zieht man die AG-Beitragsanteile (die unter Punkt 3 ermittelt wurden) ab und ermittelt so die AN-Beitragsanteile.
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§ 2 Abs. 2 BVV (Verordnung über die Berechnung, Zahlung, Weiterleitung, Abrechnung und Prüfung des Gesamtsozialversicherungsbeitrages):

In den Fällen der Gleitzone wird der vom Arbeitgeber zu zahlende Beitrag durch Anwendung des halben Beitragssatzes auf die beitragspflichtige Einnahme und anschließender Verdoppelung des gerundeten Ergebnisses berechnet. Der vom Arbeitgeber zu tragende Beitragsanteil wird durch Anwendung des halben sich aus der Summe des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung, der gesetzlichen Pflegeversicherung, zur Arbeitsförderung und des halben um den vom Arbeitnehmer allein zu tragenden Beitragsanteil reduzierten Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung ergebenden Beitragssatzes auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt berechnet und gerundet. Der Abzug des Arbeitgeberanteils von dem nach Satz 1 errechneten Beitrag ergibt den Beitragsanteil des Beschäftigten. Bei Entgelten bis zu 450 Euro ergibt sich die beitragspflichtige Einnahme durch Anwendung des Faktors F (§ 163 Abs. 10 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch) auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt. Vom Beschäftigten allein zu tragende Beitragsanteile werden durch Anwendung des maßgebenden Beitragssatzes oder Beitragszuschlags auf die beitragspflichtige Einnahme berechnet und gerundet.

Gleitzonenrechner für die Jahre 2010 bis 2012
Gleitzonenrechner 2013 und 2014
Gleitzonenrechner 2015 bis 2018
Gleitzonenrechner ab 2019

EXCEL-Aufgaben zur Gleitzone.


Hier finden Sie Beispiele, um die Rechenschritte nachvollziehbar zu machen:

Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2010
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2011
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2012
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2013
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2014
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2015
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2016
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2017
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2018
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2019

Schwankende Bezüge

Auszug aus dem Rundschreiben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone vom 9. Dezember 2014:

Bei unvorhersehbar schwankender Höhe des Arbeitsentgelts und in den Fällen, in denen im Rahmen eines Dauerarbeitsverhältnisses saisonbedingt vorhersehbar unterschiedliche Arbeitsentgelte erzielt werden, ist der regelmäßige Betrag durch Schätzung bzw. durch eine Durchschnittsberechnung zu ermitteln. Dabei ist bei einem seit einem Jahr oder länger beschäftigten Arbeitnehmer von dem im Vorjahr erzielten Arbeitsentgelt auszugehen; bei neu eingestellten Arbeitnehmern kann von der Vergütung eines vergleichbaren Arbeitnehmers ausgegangen werden.

Viele AN erhalten nicht in jedem Monat ein gleichbleibendes Gehalt. Trotz Schwankungen (mehr oder weniger Stunden im Monat oder Zahlung von Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld) kann der Verdienst im gesamten Jahr innerhalb der Gleitzone liegen. Entscheidend ist der Durchschnitt. Für die Berechnung der SV-Beiträge sind dann drei Fälle möglich:

  1. Entgelt liegt innerhalb der Gleitzone
    Die Berechnung erfolgt nach den oben beschriebenen Schritten.
  2. Entgelt liegt unterhalb der Gleitzone (z. B. 350 €)
    In solchen Fällen errechnet sich die beitragspflichtige Einnahme durch Multiplikation des Faktors F mit dem erzielten Arbeitsentgelt.
    Bei einem Entgelt von 350 € ergeben sich
    Im Jahr 2013 und 2014: 0,7605 * 350 = 266,18
    Im Jahr 2015: 0,7585 * 350 = 265,48
    Im Jahr 2016: 0,7547 * 350 = 264,15
    Im Jahr 2017: 0,7509 * 350 = 262,82
    Im Jahr 2018: 0,7547 * 350 = 264,15
    Die weitere Berechnung erfolgt nach den oben beschriebenen Schritten zwei bis vier.
  3. Entgelt liegt oberhalb der Gleitzone (z. B. 870 €)
    Die Beitragsberechnung erfolgt nach den allgemeinen Regelungen zur Beitragsberechnung in der Sozialversicherung.

Abrechnung eines Arbeitnehmers in der Gleitzone - Lohnbelege

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Mehrfachbeschäftigung

Wenn mehrere Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, sind zur Prüfung der Anwendung der Gleitzonenregelung nur die Arbeitsentgelte zusammenzurechnen, die aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen erzielt werden.

Wenn mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt werden, deren Arbeitsentgelte jedoch in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, sind die für die Berechnung der Arbeitnehmerbeitragsanteile zugrunde zu legenden reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen für die einzelnen Beschäftigungen nicht nach der allgemeinen Gleitzonenformel zu ermitteln. Die reduzierte beitragspflichtige Einnahme wird in diesen Fällen auf der Grundlage des Gesamtarbeitsentgelts ermittelt und im Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte zum Gesamtarbeitsentgelt aufgeteilt.

Seit dem 01.01.2012 hatten Arbeitgeber bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung gegenüber der zuständigen Krankenkasse eine GKV-Monatsmeldung abzugeben. Ab 2015 entfällt diese Meldung der Arbeitgeber und die Rückmeldung der Krankenkasse über die Höhe des Gesamtarbeitsentgelts.
Die Einzugsstelle prüft ab 2015 bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung auf Grundlage der eingegangenen Entgeltmeldungen, ob die in dem sich überschneidenden Meldezeitraum erzielten Arbeitsentgelte insgesamt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung überschreiten. Wenn das der Fall ist, fordert die Einzugsstelle die beteiligten Arbeitgeber auf, für den zu beurteilenden Zeitraum GKV-Monatsmeldungen abzugeben.

Ausführliche Informationen zur Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigten in der Gleitzone

Gleitzone und Teilarbeitsentgelt

Erzielt ein Arbeitnehmer, der in der Gleitzone liegt, nur ein Teilarbeitsentgelt gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Trotz des Teilarbeitsentgelts werden volle 30 SV-Tage angesetzt. Das trifft für Zeiten des unbezahlten Urlaubs, für Streiks oder für Arbeitsbummelei zu. Es kommt keine Kürzung der SV-Tage infrage. Das erzielte Teilarbeitsentgelt wird dem monatlichen Arbeitsentgelt gleichgesetzt. Die Berechnung erfolgt nach den obigen Rechenschritten. Bei einem Entgelt unterhalb der Gleitzone errechnet sich die beitragspflichtige Einnahme durch Multiplikation des Faktors F mit dem erzielten Arbeitsentgelt.
  • Die SV-Tage werden entsprechend der Beschäftigungszeit angesetzt (siehe Teillohnzahlungszeiträume). Die häufigsten Fälle werden der Beginn oder die Beendigung des Arbeitsverhältnisses im Laufe eines Monats sein.
    Ermittlung der anteiligen beitragspflichtigen Einnahme an einem Beispiel:
    Die Beschäftigung wird am 19.03.2015 aufgenommen und es werden nur 260 € Arbeitsentgelt erzielt. Vom 19.03. bis 31.03.2015 sind es 13 SV-Tage. Mit dem Teilarbeitsentgelt wird das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt ermittelt:
    260 € / 13 Tage * 30 Tage = 600 € (jeder Monat wird mit 30 Tagen angesetzt)
    Mit dem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt wird wie oben beschrieben, die fiktive beitragspflichtige Einnahme ermittelt. Damit werden aus 600,00 € Arbeitsentgelt 532,08 € (im Jahr 2015) fiktive beitragspflichtige Einnahme pro Monat errechnet.
    Aus dieser wird die anteilige beitragspflichtige Einnahme errechnet.
    532,08 € / 30 Tage x 13 SV-Tage = 230,57 €

Die Berechnungen können sie auch mit dem Gleitzonenrechner 2015 bis 2018 vornehmen.

Meldungen, Beitragsgruppenschlüssel und Personengruppenschlüssel bei Beschäftigung in der Gleitzone

Aus der Gleitzone selbst ergeben sich keine Besonderheiten für den Beitragsgruppenschlüssel bzw. den Personengruppenschlüssel. Bei einem Arbeitsverhältnis ohne besondere Merkmale ist der Personengruppenschlüssel 101 und der Beitragsgruppenschlüssel 1111 (Arbeitnehmer der voll versicherungspflichtig ist).

Meldungen von Beschäftigten in der Gleitzone sind besonders zu kennzeichnen. Zugelassen sind die nachfolgenden Kennzeichen:

Kennzeichen Bedeutung
0 keine Gleitzone beziehungsweise Verzicht auf die Anwendung der Gleitzonenregelung in der gesetzlichen Rentenversicherung
1 Gleitzone: Das Entgelt lag in allen Abrechnungszeiträumen innerhalb der Gleitzone.
2 Gleitzone: Das Entgelt lag sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gleitzone.

Bei Angabe der Kennziffern 1 oder 2 ist in die Meldungen als beitragspflichtiges Bruttoarbeitsentgelt die reduzierte beitragspflichtige Einnahme einzutragen.

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