Grundlagen der Lohn- und Gehaltsabrechnung - Personalkosten

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Überblick über die Personalkosten

Die Personalkosten stehen immer stärker im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, wenn es um den Standort Deutschland geht. Hier soll geklärt werden, was sich im Einzelnen hinter den Personalkosten verbirgt.

Personalkosten
Personalbasiskosten Personalzusatzkosten
Hierunter werden die Kosten verstanden, die einen direkten Zusammenhang mit der Leistungserstellung haben. Andere Begriffe sind Leistungslohn, Erster Lohn oder auch Direkter Lohn. Hierunter werden die Kosten verstanden, die über die Personalbasiskosten hinausgehen. Andere Begriffe sind Soziallohn, Zweiter Lohn oder auch Indirekter Lohn.
Hierzu zählen u. a. Zeitlohn, Leistungslohn und Prämienlohn
Hier finden Sie eine Übersicht zu den Lohnformen.
Hierzu zählen u. a. Lohnfortzahlung, Sozialabgaben, Weihnachtsgeld und zusätzliches Urlaubsgeld
Berechnung der Personalzusatzkosten

Damit umfassen die Personalkosten alle Leistungen des Unternehmens, die den Arbeitnehmern direkt oder indirekt als Geld oder geldwerter Vorteil zufließen.

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten bezeichnen den Anteil Arbeitskosten, der auf eine Produkteinheit entfällt. Sie sind ein Maßstab für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden Lohnstückkosten berechnet als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Hohe Lohnkosten bedeuten nicht automatisch eine schlechte Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Wenn die hohen Lohnkosten mit einer hohen Produktivität verbunden sind, verringern sich die Lohnstückkosten. Arbeitskostensteigerungen verteuern damit nicht automatisch ein Produkt. Ein gleichzeitiger Anstieg der Produktivität kann die Arbeitskostensteigerungen ausgleichen oder sogar überkompensieren.

Laut dem IMK Report 142 vom Juli 2018 besteht für Deutschland weiterhin ein deutlicher preislicher Wettbewerbsvorteil. Auszug aus dem Dokument:

Die Arbeitskosten pro Stunde haben sich in der Privatwirtschaft in Deutschland im Jahr 2017 um 2,8 % erhöht und damit stärker als im Durchschnitt des Euroraums (2,0 %). Mit durchschnittlich 34,6 Euro und damit Rang 6 befindet sich die deutsche Wirtschaft aber weiterhin in der zweiten Hälfte der Gruppe der neun EU-Hochlohnländer. Dagegen legten in den meisten (ehemaligen) Krisenländern die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft wieder zu oder stagnierten.
Die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten sind in Deutschland im vergangenen Jahr mit 1,8 % schneller gestiegen als im Euroraum-Durchschnitt (0,8 %). Allerdings sind sie seit Beginn der Europäischen Währungsunion insgesamt deutlich schwächer gestiegen als in fast allen Mitgliedsstaaten des Euroraums und schwächer, als mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar. So besteht weiterhin ein deutlicher preislicher Wettbewerbsvorteil Deutschlands von fast 8 Prozentpunkten.
Von 2000 bis 2008, als die Reallöhne und die Lohnstückkosten stagnierten, nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 130 000 Personen ab, während die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten um rund 650 000 Personen zulegte. In der Folgeperiode mit wieder steigenden Reallöhnen nahm dann aber die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 4,5 Mio. Personen zu, während die ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung wieder deutlich zurückging. Das zeigt, dass es in einer großen Volkswirtschaft aussichtslos ist, einseitig auf Lohnkostenvorteile und Erfolge im Außenhandel zu setzen, weil durch die entsprechend schwächere Binnennachfrage unter dem Strich Wachstum und Beschäftigung verloren gehen.

Arbeitskosten je Stunde

Die Arbeitskosten werden in Euro je geleistete Stunde angegeben.

Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. Im Jahr 2016 zahlten die Arbeitgeber in Deutschland in Branchen des Produzierenden Gewerbes und der wirtschaftlichen Dienstleistungen auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 28 Euro Lohnnebenkosten (Pressemitteilung Nr. 125 des Statistischen Bundesamts vom 11.04.2017).

Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. Die Arbeitskosten umfassen damit die Gesamtheit aller den Arbeitgebern im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Arbeitskräften entstehenden Aufwendungen. Dazu gehören:

  • Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer
  • Soziale Abgaben
  • Kosten der beruflichen Aus- und Fortbildung
  • Berufskleidung

Bei den geleisteten Arbeitsstunden sind Krankheits-, Feier- und Urlaubstage nicht enthalten.

Die Arbeitskosten je Stunde, setzen sich aus dem direkten Stundenlohn (dem Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit) und den anteilig verrechneten Personalzusatzkosten zusammen.

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Arbeitskosten je geleistete Stunde im Jahr 2016 in Euro
Quelle: Statistisches Bundesamt; Rechenstand: 4. Quartal 2016

Mitgliedstaaten der Europäischen Union (ausgewählte Staaten) Verarbeitendes Gewerbe Wirtschaftliche Dienstleistungen
Euro Euro
Europäische Union (EU 28) 26,40 25,70
Euro-Währungsgebiet (EU 19) 32,20 28,70
Dänemark 43,40 44,00
Belgien 43,30 40,60
Schweden 41,90 40,40
Frankreich 37,60 36,10
Deutschland 38,70 30,50
. . . . . . . . . . . .
Bulgarien 3,70 4,70

In den Wirtschaftsbereichen Deutschlands gibt es dabei aber drastische Unterschiede.

Kennzahlen der Personalkosten

Kennzahl Berechnung
Personalkosten je Mitarbeiter (durchschnittlicher Personalaufwand) Personalkosten einer Periode / Durchschnittliche Mitarbeiterzahl
Lohnquote Lohnkosten / Umsatz
Personalintensität Personalkosten / Umsatz
Personalkostenquote Personalkosten / Gesamtkosten
Personalkosten je Stunde Personalkosten / Geleistete Arbeitsstunden

Möglichkeiten zur Senkung der Personalkosten

  • Flexibilisierung der Arbeitszeit über Arbeitszeitmodelle
    Zur Umsetzung dieser Arbeitszeitmodelle ist in der Regel ein Arbeitszeitkonto notwendig.
  • Befristung von Arbeitsverhältnissen bei unklarer Auftragslage.
  • Senkung von Fehlzeiten
    Mit einem effizienten betrieblichen Gesundheitsmanagement lassen sich Unfälle vermeiden, Kosten für Behandlungen senken und die Arbeitsfähigkeit fördern.
  • Vor der Festeinstellung das Beschäftigungsniveau durch Leiharbeit (Zeitarbeit) auf die aktuelle Nachfrage anpassen.
  • Auslagerung von bestimmten Unternehmensaufgaben an Drittunternehmen.
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