Sonstige Bezüge - Das Lohnsteuerabzugsverfahren

Sonstige Bezüge sind Vergütungen, die ihrem Wesen nach nicht zum laufenden Arbeitslohn gehören. Sie werden als einmalige Zahlung aus besonderem Anlass oder zu einem bestimmten Zweck gewährt.

Inhalt

Kennzeichen von sonstigen Bezügen

  • Gegensatz zum laufenden Arbeitslohn.
  • Entspricht weitgehend dem sozialversicherungsrechtlichen Begriff Einmalige Zuwendung.
  • Sonstige Bezüge werden bei der Lohnsteuer anders behandelt als laufender Arbeitslohn.
  • Die häufigsten sonstigen Bezüge sind Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Prämien, Jubiläumszuwendungen und Entlassungsentschädigungen.
  • Mit Wirkung vom 01.01.2004 wurde die früher geltende Grenze von 150 € aufgehoben. Die Versteuerung erfolgt jetzt generell nach der Jahrestabelle mit einem besonderen Berechnungsschema.

Eine genaue Abgrenzung liefert R 39b.2 Abs. 2 LStR:

Ein sonstiger Bezug ist der Arbeitslohn, der nicht als laufender Arbeitslohn gezahlt wird. Zu den sonstigen Bezügen gehören insbesondere einmalige Arbeitslohnzahlungen, die neben dem laufenden Arbeitslohn gezahlt werden, z.B.:
  1. dreizehnte und vierzehnte Monatsgehälter,
  2. einmalige Abfindungen und Entschädigungen,
  3. Gratifikationen und Tantiemen, die nicht fortlaufend gezahlt werden,
  4. Jubiläumszuwendungen,
  5. Urlaubsgelder, die nicht fortlaufend gezahlt werden, und Entschädigungen zur Abgeltung nicht genommenen Urlaubs,
  6. Vergütungen für Erfindungen,
  7. Weihnachtszuwendungen,
  8. Nachzahlungen und Vorauszahlungen, wenn sich der Gesamtbetrag oder ein Teilbetrag der Nachzahlung oder Vorauszahlung auf Lohnzahlungszeiträume bezieht, die in einem anderen Jahr als dem der Zahlung enden, oder, wenn Arbeitslohn für Lohnzahlungszeiträume des abgelaufenen Kalenderjahres später als drei Wochen nach Ablauf dieses Jahres zufließt,
  9. Ausgleichszahlungen für die in der Arbeitsphase erbrachten Vorleistungen aufgrund eines Altersteilzeitverhältnisses im Blockmodell, das vor Ablauf der Zeit beendet wird,
  10. Zahlungen innerhalb eines Kalenderjahres als viertel- oder halbjährliche Teilbeträge.

Besondere Zuwendungen

Geburts- und Heiratsbeihilfen sind ab 01.01.2006 nicht mehr steuer- und beitragsfrei (sie waren es auch nur bis 315 €). Ab 01.01.2006 sind diese Beihilfen steuer- und beitragspflichtig.

Unterstützungen bei einem rechtfertigenden Anlass (z.B. Krankheits- und Unglücksfälle) bis 600 € pro Kalenderjahr sind steuer- und damit beitragsfrei.
Es gilt § 3 Nr. 11 EStG in Verbindung mit R 3.11 Lohnsteuer-Richtlinien
Ohne betragsmäßige Begrenzung sind Beihilfen aus öffentlichen Mitteln steuerfrei (R 3.11 Abs. 1 LStR).
Von privaten Arbeitgebern gewährte Beihilfen und Unterstützungen sind je Arbeitnehmer bis zu 600 € im Kalenderjahr lohnsteuerfrei.
R 3.11 Abs. 2 LStR (Auszug): Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei. Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird.

In der Corona-Krise werden Sonderzahlungen für Beschäftigte bis zu einem Betrag von 1.500 Euro im Jahr 2020 steuer- und sozialversicherungsfrei gestellt.
Auszug aus dem BMF-Schreiben vom 09.04.2020:

Arbeitgeber können ihren Arbeitnehmern in der Zeit vom 1. März bis zum 31. Dezember 2020 aufgrund der Corona-Krise Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro nach § 3 Nummer 11 EStG steuerfrei in Form von Zuschüssen und Sachbezügen gewähren. Voraussetzung ist, dass diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die in R 3.11 Absatz 2 Satz 2 Nummer 1 bis 3 der Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) genannten Voraussetzungen brauchen nicht vorzuliegen.

Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Betroffenheit durch die Corona-Krise kann allgemein unterstellt werden, dass ein die Beihilfe und Unterstützung rechtfertigender Anlass im Sinne des R 3.11 Absatz 2 Satz 1 LStR vorliegt. Arbeitgeberseitig geleistete Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld fallen nicht unter diese Steuerbefreiung. Auch Zuschüsse, die der Arbeitgeber als Ausgleich zum Kurzarbeitergeld wegen Überschreitens der Beitragsbemessungsgrenze leistet, fallen weder unter die vorstehende Steuerbefreiung noch unter § 3 Nummer 2 Buchstabe a EStG.

Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen, Bewertungsvergünstigungen oder Pauschalbesteuerungsmöglichkeiten (wie z. B. § 3 Nummer 34a, § 8 Absatz 2 Satz 11, § 8 Absatz 3 Satz 2 EStG) bleiben hiervon unberührt und können neben der hier aufgeführten Steuerfreiheit nach § 3 Nummer 11 EStG in Anspruch genommen werden.

Die Sonderzahlung muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn ausbezahlt oder gewährt werden. Die Arbeitgeber müssen nicht nachweisen, dass Ihr Betrieb von der Corona-Krise betroffen ist und eine erhöhte Arbeitsbelastung vorliegt.

Das Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Corona-Steuerhilfegesetz) wurde um eine gesetzliche Regelung der Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen bis zu 1.500 Euro ergänzt. Der § 3 EStG erhält dazu die Nummer 11a. Der Bundesrat hat in seiner 990. Sitzung am 5. Juni 2020 dem Corona-Steuerhilfegesetz zugestimmt.

Bundesregierung hat Corona-Prämie für Pflegekräfte von 1.000 Euro beschlossen. Länder und Arbeitgeber können den Betrag auf 1.500 Euro aufstocken
Der Bundesrat hat am 15. Mai 2020 dem Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite zugestimmt. Das Gesetz wurde am 22.05.2020 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.
Beschäftigte in der Altenpflege erhalten im Jahr 2020 eine einmalige Corona-Prämie in Höhe von bis zu 1.000 Euro. Bundesländer und Arbeitgeber in der Pflege können den Bonus ergänzend bis zur Höhe der steuer- und sozialversicherungsabgabenfreien Summe von 1.500 Euro aufstocken.
Dazu wird im SGB XI der § 150a eingefügt.

Betriebliche Gesundheitsförderung
Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung sind steuer- und damit beitragsfrei (§ 3 Nr. 34 EStG).
Die Vorschrift konnte erstmals im Jahr 2008 angewendet werden.
Voraussetzungen ab 2019:

  • Die Leistungen werden zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn vom Arbeitgeber erbracht.
  • Die Leistungen dienen zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken und zur Förderung der Gesundheit in Betrieben.
  • Der Betrag von 600 € (500 € bis 2019) pro Arbeitnehmer und Kalenderjahr wird nicht überschritten.
  • Die Leistung genügt hinsichtlich Qualität, Zweckbindung, Zielgerichtetheit und Zertifizierung den Anforderungen der §§ 20 und 20b des Fünften Buches Sozialgesetzbuch.

Die Anhebung der Steuerbefreiung von 500 Euro auf 600 Euro für betriebliche Gesundheitsförderung je Arbeitnehmer im Kalenderjahr wurde ab dem Veranlagungszeitraum 2020 und den Lohnsteuerabzug 2020 festgelegt (Bürokratieentlastungsgesetz III). Das Bürokratieentlastungsgesetz III stand auf der Tagesordnung der 982. Sitzung des Bundesrates am 08.11.2019. Der Bundesrat hat zugestimmt.

Bei dem Betrag von 600 € handelt es sich um einen Freibetrag. Nur der den Freibetrag übersteigende Teil ist steuer- und beitragspflichtig.

Die Maßnahmen müssen ab 2019 den Kriterien des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen entsprechen und entsprechend zertifiziert sein.
Die Neufassung des § 3 Nr. 34 EStG ist nach dem Regierungsentwurf erstmals ab dem Veranlagungszeitraum 2019 anzuwenden. Zur Anpassung der Verfahren in den Betrieben wird die Zertifizierung von bisher unzertifizierten Maßnahmen mit der vorliegenden Änderung erst ab dem Veranlagungszeitraum 2020 gefordert. Die übrigen Voraussetzungen der §§ 20 und 20b SGB V müssen aber bereits vorher erfüllt sein (Bundestags-Drucksache 19/5595 vom 07.11.2018, S. 83).
Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft Präventionskurse und Kursanbieter nach den Vorgaben des Leitfadens Prävention des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Durchgeführt wird ein Standardverfahren, welches die gesetzlichen Qualitätsvorgaben einheitlich umsetzt.

Leistungen im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers führen nicht zu Arbeitslohn. Um spätere Haftungsrisiken auszuschließen, ist die Einholung einer haftungsbefreienden Anrufungsauskunft empfehlenswert.

Problem: Allgemeine Gesundheitsförderung für Arbeitnehmer
Leitsätze des Urteils des Bundesfinanzhofs vom 21.11.2018 (VI R 10/17):

Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands der Arbeitnehmer und zur betrieblichen Gesundheitsförderung können zu steuerbarem Arbeitslohn führen, wenn sich die Vorteile bei objektiver Würdigung aller Umstände als Entlohnung und nicht lediglich als notwendige Begleiterscheinung betriebsfunktionaler Zielsetzungen erweisen.

Der Arbeitgeber bot seinen Arbeitnehmern ein einwöchiges Einführungsseminar zur Vermittlung grundlegender Erkenntnisse über einen gesunden Lebensstil an. Diese sog. Sensibilisierungswoche umfasste u.a. Veranstaltungen, Kurse und Workshops betreffend Ernährung und Bewegung, Körperwahrnehmung und Eigendiagnostik, (Herz-Kreislauf-)Training und Belastung, Achtsamkeit, Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit sowie ein Koordinationstraining für den Alltag.

Berechnung der Lohnsteuer für sonstige Bezüge durch Anwendung der Jahrestabelle

Die Lohnsteuer für laufende Bezüge kann ohne weiteres aus der Monatslohnsteuertabelle abgelesen werden. Dieses Verfahren würde bei sonstigen Bezügen zu einer überhöhten Lohnsteuer führen. Diese Tabelle unterstellt, dass das ganze Jahr über in gleicher Höhe Arbeitslohn bezogen wird. Für die Ermittlung der auf den sonstigen Bezug entfallenden Lohnsteuer wird deshalb vom voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ausgegangen. Die Lohnsteuer wird dann nach einem besonderen Berechnungsschema ermittelt (§ 39b Abs. 3 EStG).

In dem Monat der Zahlung des sonstigen Bezugs erfolgen also zwei getrennte Lohnsteuerberechnungen:

  • Für den laufenden Bezug erfolgt die Ermittlung der Lohnsteuer nach der Monatstabelle
  • Für den sonstigen Bezug erfolgt die Ermittlung der Lohnsteuer nach einem besonderen Berechnungsschema und unter Anwendung der Jahrestabelle

Berechnung des maßgebenden Jahresarbeitslohns

  1. Ermittlung des im Kalenderjahr bereits gezahlten laufenden Arbeitslohns.
    Dabei ist der Arbeitslohn aus einem möglichen früheren Arbeitsverhältnis eines anderen Arbeitgebers mitzuzählen. Ist der Arbeitnehmer nicht bereit eine Kopie seiner elektronischen Lohnsteuerbescheinigung vorzuzeigen muss der Arbeitgeber den von ihm gezahlten Arbeitslohn hochrechnen. Basis für diese Hochrechnung ist der laufende Arbeitslohn des Monats in dem der sonstige Bezug gezahlt wird.
    § 39b Abs. 3 EStG:
    Für die Einbehaltung der Lohnsteuer von einem sonstigen Bezug hat der Arbeitgeber den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug festzustellen. Hat der Arbeitnehmer Lohnsteuerbescheinigungen aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres nicht vorgelegt, so ist bei der Ermittlung des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns der Arbeitslohn für Beschäftigungszeiten bei früheren Arbeitgebern mit dem Betrag anzusetzen, der sich ergibt, wenn der laufende Arbeitslohn im Monat der Zahlung des sonstigen Bezugs entsprechend der Beschäftigungsdauer bei früheren Arbeitgebern hochgerechnet wird. ....
    Beispiel:
    Monat November mit 2.000 € Gehalt und zusätzlichem Urlaubsgeld von 1.000 €
    Der Arbeitnehmer arbeitet seit März des laufenden Jahres beim Arbeitgeber. Im Januar und Februar war er bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt. Der Arbeitnehmer ist nicht bereit seine elektronische Lohnsteuerbescheinigung vorzuweisen.
    Für die Monate Januar und Februar muss der Arbeitgeber 2.000 € als laufenden Arbeitslohn ansetzen.
    In diesem Fall muss auf der Lohnsteuerbescheinigung der Großbuchstabe "S" eingetragen werden. Damit kommt es für den Arbeitnehmer zu einer Pflichtveranlagung zur Einkommensteuer.
    Anmerkung: Mit der Einführung der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung ist die Bescheinigung des Arbeitslohns auf der Rückseite der Lohnsteuerkarte entfallen. Damit hat der Arbeitgeber keine Vorarbeitgeberdaten mehr, es sei denn der Arbeitnehmer ist bereit seine Kopie der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung vorzuweisen.
    Stand der Arbeitnehmer vor dem aktuellen Arbeitsverhältnis nachweislich nicht in einem Arbeitsverhältnis (z. B. weil er arbeitslos war), ist nur der Arbeitslohn des jetzigen Arbeitgebers in der Berechnung anzusetzen. Stand er nur einen Teil des Jahres nachweislich nicht in einem Arbeitsverhältnis, so ist nur dieser Teil aus der Berechnung herauszulassen.
    Beispiel:
    Monat November mit 2.000 € Gehalt und zusätzlichem Urlaubsgeld von 1.000 €
    Der Arbeitnehmer arbeitet seit April des laufenden Jahres beim Arbeitgeber. Im Januar und Februar war er bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt. Im Monat März war er arbeitslos (Nachweis liegt vor). Der Arbeitnehmer ist nicht bereit seine elektronische Lohnsteuerbescheinigung vorzuweisen.
    Für die Monate Januar und Februar muss der Arbeitgeber 2.000 € als laufenden Arbeitslohn ansetzen. Für März erfolgt kein Ansatz.
     
  2. Ermittlung des bis zum Ende des Kalenderjahrs voraussichtlich noch zufließenden laufenden Arbeitslohns. Das kann auch durch eine Umrechnung des bisher zugeflossenen laufenden Arbeitslohns auf die restliche Zeit des Kalenderjahrs erfolgen. Dabei wird der bisher zugeflossene laufende Arbeitslohn durch die jeweiligen Monate geteilt und mit zwölf multipliziert.
    Hier kann es also bei gleichem Lohn, abgerechnet mit unterschiedlicher Software, zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Die Classic Line von Sage nimmt den laufenden Lohn des Monats (indem der sonstige Bezug gezahlt wird) und setzt ihn für die noch fehlenden Monate des Jahres ein.
     
  3. Ermittlung der vom Arbeitgeber im laufenden Kalenderjahr bereits gezahlten steuerpflichtigen sonstigen Bezüge.

Besonderes Berechnungsschema für sonstige Bezüge

Die Begriffe Hinzurechnungsbetrag, Jahresfreibetrag, Altersentlastungsbetrag und Versorgungsfreibetrag werden auf der Seite Laufender Arbeitslohn erläutert.

Berechnung Betrag
Vom aktuellen Arbeitgeber bereits gezahlter laufender Arbeitslohn:              €
Plus den von früheren Arbeitgebern im laufenden Kalenderjahr bezogenen Arbeitslohn:
(Zu Besonderheiten siehe obigen Punkt 1)
             €
Ergibt die Summe des bereits gezahlten laufenden Arbeitslohns im laufenden Kalenderjahr:              €
Umrechnung des bereits gezahlten laufenden Arbeitslohns auf 12 Monate:              €
Plus vom Arbeitgeber im laufenden Kalenderjahr bereits gezahlte steuerpflichtige sonstige Bezüge:
(z. B. bei Abrechnung eines möglichen Weihnachtsgeldes wäre ein schon gezahltes zusätzliches Urlaubsgeld hier anzusetzen)
             €
Plus ein lt. elektronischer Lohnsteuerabzugsmerkmale zu berücksichtigender Hinzurechnungsbetrag:              €
Minus ein lt. elektronischer Lohnsteuerabzugsmerkmale zu berücksichtigender Jahresfreibetrag:              €
Minus Altersentlastungsbetrag:              €
Minus Versorgungsfreibetrag und Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag:              €
Ergibt den maßgebenden Arbeitslohn              €

Differenzrechnung für die Lohnsteuer

Es wird die Lohnsteuer für den maßgebenden Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug und für den maßgebenden Jahresarbeitslohn einschließlich des sonstigen Bezugs ermittelt. Der Differenzbetrag ergibt die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug.

Berechnung Betrag
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn + sonstigen Bezug
             €
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn
und abziehen vom obigen Lohnsteuerbetrag.
             €
Ergibt die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug:              €

Berechnung des Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer für den sonstigen Bezug

Der Solidaritätszuschlag wird nicht nach dem obigen Verfahren über die Jahrestabelle ermittelt, sondern generell durch Anwendung des Prozentsatzes von 5,5% auf die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug berechnet.

Durch den neuen § 3 Absatz 4a Satz 1 Solidaritätszuschlaggesetz 1995 wird die Anwendung der jährlichen Freigrenze auch bei sonstigen Bezügen ab 2021 sichergestellt. Bei der Ermittlung des Solidaritätszuschlags auf sonstige Bezüge ist auch ab 2021 die Milderungsregelung (Übergangsbereich) nicht anzuwenden ist. Es ist - wie bisher - der Solidaritätszuschlag mit 5,5 % zu erheben, dies jedoch nur, wenn auch die jährliche Freigrenze von 16.956 Euro bzw. 33.912 Euro überschritten wird (Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995).

Die Kirchensteuer wird bei entsprechendem Merkmal lt. elektronischer Lohnsteuerabzugsmerkmale ebenfalls durch Anwendung des Kirchensteuersatzes (8% oder 9%) auf die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug berechnet.

Bruchteile eines Cents bleiben außer Betracht. Es ist also generell auf einen Cent abzurunden.


Beispiel 1 mit Urlaubsgeld (Abrechnungsjahr 2020):

  • Ein Arbeitnehmer hat ein Gehalt von 3.000,00 €.
  • Er hat dieses Gehalt seit Anfang des Jahres 2020 bezogen.
  • Abrechnungsmonat ist der Monat Mai 2020 mit zusätzlichem Urlaubsgeld von 1.000,00 €.
  • Die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers beinhalten die Steuerklasse IV, keine Kinderfreibeträge und das Kirchensteuermerkmal ev.
  • Die Betriebsstätte befindet sich in Hessen. Der Kirchensteuersatz beträgt 9%. Wegen der verbesserten steuerlichen Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen müssen beim Steuerabzug Angaben zu Vorsorgeaufwendungen gemacht werden. Für unser Beispiel sind das:
    • Rechtskreis West (wegen unterschiedlicher Beitragsbemessungsgrenzen; spielt bei diesem Monatseinkommen aber keine Rolle)
    • Der Arbeitnehmer ist pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der krankenkassenindividuelle Zusatzbeitragssatz beträgt 1,1%.
    • Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25%

Vom aktuellen Arbeitgeber bereits gezahlter laufender Arbeitslohn:
5 * 3.000,00 € = 15.000,00 €

Umrechnung des bereits gezahlten laufenden Arbeitslohns auf 12 Monate:
15.000,00 € / 5 * 12 = 36.000,00 €

Es gibt keine bereits gezahlten steuerpflichtigen sonstigen Bezüge.

Ein Hinzurechnungsbetrag bzw. Jahresfreibetrag ist nicht zu berücksichtigen.
Altersentlastungsbetrag (Arbeitnehmer ist noch nicht 64) und Versorgungsfreibetrag (Arbeitnehmer erhält keinen Versorgungsbezug) kommen nicht in Betracht.

Damit beträgt der maßgebende Jahresarbeitslohn 36.000,00 €.

Berechnung Betrag
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn + sonstigen Bezug
36.000,00 € + 1.000,00 € = 37.000,00 €
5.114,00 €
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn
36.000,00 €

und abziehen vom obigen Lohnsteuerbetrag.
- 4.862,00 €
Ergibt die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug: = 252,00 €

Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5% von 252,00 € = 13,86 €
Es ist generell auf einen Cent abzurunden.

Die Kirchensteuer beträgt 9% von 252,00 € = 22,68 €
Es ist generell auf einen Cent abzurunden.

Interaktiver Abgabenrechner zur Berechnung der Lohnsteuer und Einkommensteuer (Service des Bundesministeriums der Finanzen).

Beispiel 2 mit Weihnachtsgeld (Abrechnungsjahr 2020):

  • Fortsetzung des obigen Beispiels
  • Der Arbeitnehmer hat ein Gehalt von 3.000,00 €.
  • Er hat dieses Gehalt seit Anfang des Jahres 2020 bezogen.
  • Im Monat Mai wurde ein zusätzliches Urlaubsgeld von 1.000,00 € gezahlt.
  • Abrechnungsmonat ist der Monat November 2020 mit zusätzlichem Weihnachtsgeld von 1.000,00 €.
  • Die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers beinhalten die Steuerklasse IV, keine Kinderfreibeträge und das Kirchensteuermerkmal ev.
  • Die Betriebsstätte befindet sich in Hessen. Der Kirchensteuersatz beträgt 9%. Wegen der verbesserten steuerlichen Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen müssen beim Steuerabzug Angaben zu Vorsorgeaufwendungen gemacht werden. Für unser Beispiel sind das:
    • Rechtskreis West (wegen unterschiedlicher Beitragsbemessungsgrenzen; spielt bei diesem Monatseinkommen aber keine Rolle)
    • Der Arbeitnehmer ist pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der krankenkassenindividuelle Zusatzbeitragssatz beträgt 1,1%.
    • Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25%

Vom aktuellen Arbeitgeber bereits gezahlter laufender Arbeitslohn:
11 * 3.000,00 € = 33.000,00 €

Umrechnung des bereits gezahlten laufenden Arbeitslohns auf 12 Monate:
33.000,00 € / 11 * 12 = 36.000,00 €

Zu den 36.000,00 € muss der steuerpflichtige sonstige Bezug des Monat Mai von 1.000,00 € addiert werden.

Ein Hinzurechnungsbetrag bzw. Jahresfreibetrag ist nicht zu berücksichtigen.
Altersentlastungsbetrag (Arbeitnehmer ist noch nicht 64) und Versorgungsfreibetrag (Arbeitnehmer erhält keinen Versorgungsbezug) kommen nicht in Betracht.

Damit beträgt der maßgebende Jahresarbeitslohn 37.000,00 €.

Berechnung Betrag
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn + sonstigen Bezug
37.000,00 € + 1.000,00 € = 38.000,00 €
5.369,00 €
Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ablesen
vom:
Maßgebenden Jahresarbeitslohn
37.000,00 €

und abziehen vom obigen Lohnsteuerbetrag.
- 5.114,00 €
Ergibt die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug: = 255,00 €

Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5% von 255,00 € = 14,02 €
Es ist generell auf einen Cent abzurunden.

Die Kirchensteuer beträgt 9% von 255,00 € = 22,95 €
Es ist generell auf einen Cent abzurunden.

Berechnungsbeispiele für 2012
Berechnungsbeispiele für 2013
Berechnungsbeispiele für 2014
Berechnungsbeispiele für 2015
Berechnungsbeispiele für 2016
Berechnungsbeispiele für 2017
Berechnungsbeispiele für 2018
Berechnungsbeispiele für 2019


§ 39b Abs. 3 EStG:

Für die Einbehaltung der Lohnsteuer von einem sonstigen Bezug hat der Arbeitgeber den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug festzustellen. Hat der Arbeitnehmer Lohnsteuerbescheinigungen aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres nicht vorgelegt, so ist bei der Ermittlung des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns der Arbeitslohn für Beschäftigungszeiten bei früheren Arbeitgebern mit dem Betrag anzusetzen, der sich ergibt, wenn der laufende Arbeitslohn im Monat der Zahlung des sonstigen Bezugs entsprechend der Beschäftigungsdauer bei früheren Arbeitgebern hochgerechnet wird. Der voraussichtliche Jahresarbeitslohn ist um den Versorgungsfreibetrag (§ 19 Absatz 2) und den Altersentlastungsbetrag (§ 24a), wenn die Voraussetzungen für den Abzug dieser Beträge jeweils erfüllt sind, sowie um einen etwaigen als Lohnsteuerabzugsmerkmal mitgeteilten Jahresfreibetrag zu vermindern und um einen etwaigen Jahreshinzurechnungsbetrag zu erhöhen. Für den so ermittelten Jahresarbeitslohn (maßgebender Jahresarbeitslohn) ist die Lohnsteuer nach Maßgabe des Absatzes 2 Satz 5 bis 7 zu ermitteln. Außerdem ist die Jahreslohnsteuer für den maßgebenden Jahresarbeitslohn unter Einbeziehung des sonstigen Bezugs zu ermitteln. Dabei ist der sonstige Bezug um den Versorgungsfreibetrag und den Altersentlastungsbetrag zu vermindern, wenn die Voraussetzungen für den Abzug dieser Beträge jeweils erfüllt sind und soweit sie nicht bei der Steuerberechnung für den maßgebenden Jahresarbeitslohn berücksichtigt worden sind. Für die Lohnsteuerberechnung ist die als Lohnsteuerabzugsmerkmal mitgeteilte oder die nach § 39c Absatz 1 oder Absatz 2 oder nach § 39e Absatz 5a oder Absatz 6 Satz 8 anzuwendende Steuerklasse maßgebend. Der Unterschiedsbetrag zwischen den ermittelten Jahreslohnsteuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom sonstigen Bezug einzubehalten ist. Die Lohnsteuer ist bei einem sonstigen Bezug im Sinne des § 34 Absatz 1 und 2 Nummer 2 und 4 in der Weise zu ermäßigen, dass der sonstige Bezug bei der Anwendung des Satzes 5 mit einem Fünftel anzusetzen und der Unterschiedsbetrag im Sinne des Satzes 8 zu verfünffachen ist; § 34 Absatz 1 Satz 3 ist sinngemäß anzuwenden. Ein sonstiger Bezug im Sinne des § 34 Absatz 1 und 2 Nummer 4 ist bei der Anwendung des Satzes 4 in die Bemessungsgrundlage für die Vorsorgepauschale nach Absatz 2 Satz 5 Nummer 3 einzubeziehen.

Besteuerung von sonstigen Bezügen nach der Fünftelregelung

Diese Methode ist anzuwenden bei steuerpflichtigen Entlassungsabfindungen und Vergütungen für eine mehrjährige Tätigkeit.

Die Methode darf nur angewendet werden, wenn sie zu einer geringeren Lohnsteuer führt als die normale Besteuerung als sonstiger Bezug.

Es wird bei der Berechnung der sonstige Bezug nur mit einem Fünftel angesetzt und die sich nach der Jahreslohnsteuertabelle ergebende Steuer verfünffacht. Durch dieses Verfahren soll die Steuerprogression gemildert werden. Da eine Abfindung eine Entschädigung für mehrere Arbeitsjahre darstellt, wäre die Besteuerung nach dem obigen Verfahren ungerecht.

Ausführliche Informationen zur Besteuerung von sonstigen Bezügen nach der Fünftelregelung

Ausführliche Informationen zu Abfindungen

Kürzung von Sondervergütungen wegen Krankheit

Die Zulässigkeit der Kürzung von Sonderzahlungen (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, ...) wegen Krankheit ist gesetzlich geregelt. Auf der Seite Lohnfortzahlung (Entgeltfortzahlung) im Krankheitsfall finden Sie zu diesem Thema eine Erläuterung sowie ein Beispiel.


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